ich schreibe so, wie ich lebe

03.09.08 | Eskandar Abadi



Wie schon der alte persische Dichter sagte, dessen Name sich nicht verloren hat in der Nacht der Zeiten, dem jedoch die Windungen meines Denkens, aus denen er hervorging, nicht geruhten, eine von ihnen zu schenken, - wie also dieser alte Dichter sagte: Zufällige Begegnungen gibt es nicht. Und doch ist es ein Zufall - sicher vermischt mit meiner Neugierde -, der es mir ermöglicht hat, mit Eskandar Bekanntschaft zu machen. Würde das Leben rückwärts gelebt, so würden die Wesen, die uns die teuersten geworden sind, vor der Begegnung mit ihnen auf grausame Weise fehlen. Was für ein Leben wäre das; welch eine Traurigkeit; welch ein Ärger! Da es uns aber gegeben ist, unser Leben in der logischsten aller Chronologien zu leben, ist jede Bekanntschaft eine Quelle von Überraschungen - von guten oder schlechten. Und überrascht war ich in der Tat. Und ich bin es auch noch heute, wenn ich zurückdenke an jene Epoche davor, die man wohl prä-eskandarianisch nennen könnte. Ist es noch derselbe, der mir sein Gesicht zeigt, er, der da spöttelt und sich erregt, der sich beunruhigt und sich freut, der berät und tröstet. War er es, jener lustige kleine Kerl, den ich von weitem sah, den ich bisweilen hörte, von dem ich nur das wenige wusste, was man als Unbekannter wahrnimmt ?

"Schreibe", hat er gesagt. – Und was? "Beschreibe mich!"
Warum denn nur ? Hältst du dich für so schön, so groß, so wichtig ? Glaubst du, mich zu inspirieren ? Für wen hältst du dich eigentlich, zu meinen, man solle dir schreiben ?
Keine Auflehnung; ich kapituliere. Wozu kämpfen, wenn man sich dadurch ja doch nur von der schlimmsten denkbaren Konsequenz bedroht fühlt , sich eines Tages als die Ehefrau eines Bankiers zu erkennen. Und wenn er schön wäre, mein Bankier ? Freundlich, zuvorkommend, mit einem hübschen, schmucken Konto und mit genügend Mitteln, um in das materiell Glück einzutauchen, das unserer Zeit so kostbar ist, das es auch den letzten Winkel unseres Denkens ausfüllt ?
Wehe der Jugend, die den zusammenbrechenden Alten zusieht, wie sie unaufhörlich versuchen, ihren Geist zu zähmen, den sie noch für formbar halten. Ich kapituliere. Ich schreibe. Aber ich schreibe so, wie ich lebe - ohne zu wissen, wo ich hingehe; ohne zu wissen, welche Überraschungen mir die nächste Zeile bereit hält - gute oder schlechte.

Eine Seite weiter weiß man noch immer nichts über Eskandar. Und an wem liegt das ? Man kann ihn unmöglich beschreiben ! Er lässt sich nicht so einfach auf ein Blatt Papier pressen. Er bäumt sich auf, er sträubt sich, er weicht mir aus. Selbst mit Worten werde ich nie in der Lage sein, auch nur das Mindeste von ihm zu erfassen.
Drittklassiger Poet, wie er selbst sagt. In meiner großen Unwissenheit könnte ich nichts davon beurteilen; aber ich lasse ihm den Nutzen des Zweifels und taxiere ihn viel mehr mit Bescheidenheit.